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Hoffnung, dass mit diesem Ende auch ein Neuanfang

Mit einem Gottesdienst ist am Sonntag, 10. März 2013, die evangelische Friedenskirche in Einswarden entwidmet worden. Im Jahr 2011 hatte der Gemeindekirchenrat aufgrund von Sparzwängen sowie hohen Unterhaltungs- und Sanierungskosten beschlossen, sich von dem Gemeindehaus und der Friedenskirche in Einswarden zu trennen. Die Entwidmung wurde durch die Oldenburger Oberkirchenrätin Annette-Christine Lenk vorgenommen, die den erkrankten Bischof Jan Janssen vertrat. Zum Abschluss des Gottesdienstes wurden Altarkreuz, Altarbibel, Abendmahlsgeschirr, Taufschale sowie die Altarkerzen und -leuchter in die benachbarte St.-Hippolyt- Kirche in Blexen gebracht.

In ihrer Predigt betonte Oberkirchenrätin Lenk, dass sich in der Friedenskirche in Einswarden 34 Jahre lang Menschen versammelt hätten, um das Wort Gottes zu hören. „Es war Aufbruchstimmung, als die Friedenskirche 1978 fertig gestellt war. Noch immer gibt es Menschen, die uns vom ersten Gottesdienst in dieser Kirche erzählen können“, so Lenk. „Seither wurde hier gebetet, gesungen, gelobt, gedankt und geklagt. Im Wort und in Brot und Wein haben Menschen hier die Gegenwart des Auferstandenen gefeiert. Taufen, Trauungen, Advent, Weihnachten, Karfreitag, Ostern, Pfingsten, Erntedankfest, Ewigkeitssonntag – 34 Jahre war dieses Kirchlein der Ort der Begegnung für Glaubende, Suchende, Zweifelnde, Fröhliche und Traurige.

Lenk erinnerte daran, dass 1958 der Kirchbauverein gegründet wurde, der 1964 erst die Pauluskirche Friedrich-August-Hütte und 1978 die Friedenskirche einweihen konnte. Damals sei der Ort durch die Schaffung von Arbeitsplätzen gewachsen. Vom Wirtschaftswunder sei allerdings wenig geblieben, so Lenk. Die Menschen hätten sich „ein neues Zuhause dort gesucht, wo sie Arbeit gefunden haben. Wenige sind geblieben. Abschied nicht nur von dieser Kirche, sondern schon lange von einem Ort an der Wurt, Abschied von alten Zeiten.

„Wie schwer es für einen Gemeindekirchenrat ist, die Türen einer Kirche für immer zu schließen, können wir nur ahnen", betonte die Oberkirchenrätin. „Mit diesem Beschluss haben Sie eine große Hoffnung verbunden, dass mit diesem Ende auch ein Neuanfang gemacht wird. Wir bleiben bei aller Zuversicht Suchende und Wandernde."

„Dass Gott uns heute nahe bleibt, dass Gott uns begleitet nachher auf dem Weg nach Blexen, wenn wir von einem Ort zum anderen ziehen, das erbitten wir. Und dass wir beieinander stehen, wenn unser Herz schwer ist, uns ermutigen auf unserem Weg durch dieses Leben auch als Kirche, darin lasst uns vergewissern. Wir sind Gemeinde in Veränderung und Bewegung, wir bleiben an der Seite des wandernden Volkes Gottes als Mitwandernde", betonte Lenk.

An dem Gottesdienst in der Friedenskirche wirkten auch Pfarrerin Anke Claßen sowie Pfarrer Dietmar Reumann-Claßen sowie der langjährige Pastor an der Friedenskirche Hajo Meenen und die Kantorei der St. Hippolyt-Kirche unter Leitung von Kreiskantor Johannes Kirchberg mit.
Die Friedenskirche – ein eher funktionaler Zweckbau aus rotem Backstein – wird derzeit von einem Makler für 48.000 Euro angeboten. Bisher soll es noch keinen Interessenten geben. Auch für die Orgel und das Gestühl werden laut Pastor Reumann-Claßen noch Interessenten gesucht. Das Gemeindehaus – ein Bau aus der Gründerzeit – wurde dagegen bereits für 80.000 Euro an einen Zahnarzt aus Wilhelmshaven verkauft.

Dirk-Michael Grötzsch
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Ev. Kirche Oldenburg

Die Predigt

Hier können Sie, wenn Sie möchten, die Predigt vom letzten Gottesdienst in der Friedenskirche vom 10. März 2013 [17 KB] noch einmal nachlesen. Sie wurde von Frau Oberkirchenrätin Annette-Christine Lenk aus Oldenburg gehalten.

Fotos aus dem Gottesdienst

Die Fotos wurden von Dirk-Michael Grötzsch und Dettmar Neels erstellt.

Pfarrbezirk Einswarden

Dieser zweite Umbruch war mit negativen wirtschaftlichen Folgen für den Ortsteil verbunden gewesen. In der Gegenwart ist die Situation des Ortes noch immer durch eine große Fluktuation der Bewohner bestimmt. Durch Schaffung von Wohneigentum soll dieser Entwicklung entgegen gesteuert werden. Das ehemalige Gemeindehaus der politischen Gemeinde Blexen, das 1908 errichtet und 1961 von der Kirchengemeinde erworben wurde, zeugt noch heute von der Bedeutung dieses Ortsteils. Hier wurden bis zur Fertigstellung der Friedenskirche im Jahr 1978 auch die Gottesdienste abgehalten.

In Einswarden gibt es ungefähr 1500 Gemeindeglieder, die in diesem Stadtteil mit Mitbürgern aus mehreren Nationen zusammen leben. Viele Gemeindeglieder finden im ortsansässigen Flugzeugwerk oder in der benachbarten Metallhütte Arbeit.

Einswarden

Ein wenig Geschichte: Der Ortsteil Einswarden und das Dorf Schweewarden bildeten damals den zweiten Pfarrbezirk der Kirchengemeinde Blexen. Einswarden selbst ist auf das 1. Jahrhundert vor Christi Geburt zu datieren, wie eine Ausgrabung von 1940 ergab. In seiner jüngsten Geschichte ist der Pfarrbezirk vielen Umbrüchen ausgesetzt gewesen. Große Mietshäuser entstanden nach dem 1. Weltkrieg in der bis dahin eher ländlich geprägten Ortschaft.

Mit der zunehmenden Industrialisierung blühte der Ort auf und wurde Verwaltungsmittelpunkt der ehemaligen politischen Gemeinde Blexen. Ost- und Westschule, die katholische Schule, sowie Sonder- und Realschule im Ort unterstrichen diesen Mittelpunktcharakter. Damit war es vorbei, als die ehemalige politische Gemeinde Blexen im Zuge der Verwaltungsreform 1933 Nordenham angegliedert wurde.